Autobahnraststätte

Grenoble

Wilson wohnte in der Nähe der Autobahn. Eine unbedeutende Nebenstrecke, mautpflichtig und wenig Verkehr. Das brachte etwas Grundrauschen, wie am Meer. Wilson hörte selten etwas von der Autobahn, vergaß sie meist völlig.

Es sollte eine Messerstecherei auf der Autobahnraststätte gegeben haben. Wilson hielt das für unwahrscheinlich, schließlich sind Autobahnraststätten Orte, die man zügig wieder verlassen möchte.

Schlechtes, teures Essen, Benzin zu Apothekenpreisen und für die Toiletten muss man extra bezahlen. Dafür bekommt man obendrein noch einen Verzehrbon ausgedruckt, der nur weitere Ausgaben, z. B. für einen Cappuccino, nach sich zieht.

Das Unternehmen, welches die Raststätten landesweit übernommen hatte, verpflichtete sich alle Raststätten 20 Jahre lang offen zu halten, eben auch die weniger lukrativen. Die Raststätte vor Wilsons Haustür gehörte sicher nicht zu den Perlen des Deals. Die neuen Betreiber schlossen die Raststätte auf der gegenüberliegenden Seite und bauten eine Fußgängerbrücke über die Autobahn. So hielten Sie den Standort mit minimalem Einsatz offen. Eigentlich waren Sie verpflichtet einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen, aber Gehbehinderte konnten die Brücke nicht bewältigen, mussten die Brezel an der nächsten Ausfahrt machen und auf der Gegenseite zurückfahren, wenn Sie die Station erreichen wollten.

Das Gebäude auf der Gegenseite stand nun leer. Wilson dachte darüber nach, dort ein Outlet zu eröffnen, aber die Behörden hätten nur einen Tankstellenbetrieb genehmigt. Raststätte ging nicht, wegen des Exklusivrechts des anderen Betreibers.

Wilson konnte über einen Wirtschaftsweg die Autobahnraststätte erreichen, eine Abkürzung. Die Autobahn ließ sich eigentlich auch von dort befahren, würde ihm aber die volle Maut plus Strafe kosten, da er kein Einfahrtticket hätte vorweisen können. Wilson wollte den Tankwart fragen, was es mit der Messerstecherei auf sich hatte. Er musste sowieso tanken, dann eben das überteuerte Autobahnbenzin.

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